… zurück zur Hauptsache!

Nach einer dreiwöchigen Krankheits- beziehungsweise Erholungsphase kann ich heute endlich wieder ins Trotro steigen und zurück ins WEM-Centre fahren! Ich habe die Kinder in den letzten Wochen sehr vermisst und freue mich darauf, im neuen Jahr nun auch wieder arbeiten zu können!
Zurück zur Hauptsache… zurück zu den Kindern! Obwohl ich in den letzten Wochen dem entsprechend weniger erlebt habe, so beschäftigen mich doch immer noch einige Erinnerungen aus der Zeit zwischen den Jahren, die ich, wie ich finde, nicht besser hätte nutzen können:

Mit dem Beginn der Ferien endet die Arbeit der Mitarbeiter des Rays of Hope Centres keineswegs, sie verändert vielmehr ihren Charakter. Während die administrativen Tätigkeiten natürlich normal weiter liefen, war die Aufgabe der übrigen Mitarbeiter, die Reintegration der Kinder in ihre Familien zu beobachten und zu begleiten. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter sich auf den Weg in die verschiedensten Teile Ashaimans und darum herum machen, um die Familien zu besuchen, mit den Erziehungsberechtigten und den Beneficiaries zu sprechen und zu sehen, wie sie sich daheim benehmen und entwickeln. All das ist ROHC sehr wichtig, weil die Beneficiaries (besonders diejenigen aus dem WEM-Centre) den Kontakt zu ihren Familien nicht verlieren sollen und so die Chance haben, eine gute Beziehung zu ihren Familienmitgliedern zu entwickeln.

Ich konnte an zwei Tagen einen der Mitarbeiter aus dem WEM-Centre, Bro. Fuseini, zu diesen Treffen mit unterschiedlichen Familien begleiten. Ich bin ihm dafür sehr dankbar, einerseits natürlich, weil ich dadurch die Kinder sehen konnte und andererseits aber vor allem, weil diese zwei Tage mir wieder einmal einen etwas genaueren Einblick in das Leben der Kinder und ihren Hintergrund vermittelt hat. Hoffentlich kann ich diese Geschichten, die mir dort begegnet sind, teilweise wiedergeben:

Eine der Fragen von Bro. Fuseini an die Eltern war immer, ob die Kinder sie unterstützen – im Haushalt aber auch „finanziell“. Das bedeutet, dass viele Kinder ihre Eltern bei ihrer Arbeit (oftmals der Verkauf von Waren auf dem Markt) unterstützen oder auch selbst durch die Straßen laufen, ihre Last auf dem Kopf tragen und verkaufen. Diese Unterstützung ist einerseits gern gesehen, da harte Arbeit in der Gesellschaft hoch anerkannt wird und die Kinder somit auch Anteil am Familienleben nehmen, doch es versetzt mir doch immer wieder einen Stich, sie dort verkaufen zu sehen und sie nur bitten zu können vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause zu sein.
Auf die Frage, warum die Kinder auf der Straße waren bekommt man zwar auch die Antwort, dass sie von zu Hause fort gelaufen sind, aber viele der Kinder mussten auf den Straßen und Märkten arbeiten, weil ihre Familien sich auf die Hilfe verließen.

Das kommt auch in etwas drastischerem Ausmaße vor: manche Familien schicken ihre Kinder zu Verwandten, da sie selbst kein Geld haben, um ihre Kinder zur Schule zu schicken und die Verwandten dazu finanziell in der Lage wären. In manchen Fällen jedoch schicken die Verwandten die Kinder jahrelang zum Verkaufen auf die Straße, während ihre eigenen Kinder zur Schule gehen. Den Kindern bleibt nur das Versprechen, dass sie bald geschickt würden, wenn das Geld reichen würde, bis manche von ihnen schließlich zu alt für die Schule sind. Unser Fieldworker hat schon häufiger von derartigen Fällen berichtet. Er versucht natürlich, den Kindern beziehungsweise den Familien, die (finanzielle) Hilfe der Organisation anzubieten, denn somit könnte ROHC das Kind bei seinem Schulanfang unterstützen, doch wenn sich manche Familien verschließen, kann leider nicht allen Kindern geholfen werden.

Wenn man sich derartige Geschichten vergegenwärtigt oder auch nur einmal einen Tag durch Ashaiman läuft, um an unterschiedlichsten Stellen Beneficiaries aufzusuchen, wird deutlich, wie anstrengend die Arbeit ist, die unser Fieldwork and Reintegration Officer, Bro. Tetteh, täglich leistet. Sowohl körperlich, als auch seelisch.

Da wirkt die Information, dass auch dieses Schuljahr wieder 16 „new ones“, also neue Beneficiaries, im FCP unterrichtet werden können und noch mehrere andere nun wieder mit ihren Familien vereint sind und von ihren Verwandten zur Schule geschickt werden, wie Balsam!
In manchen Momenten kann man gar nicht glauben, was unsere Kinder schon erlebt haben. Umso schöner ist es zu sehen, wie sie sich entwickeln, wie sie lernen und, wie Bro. Tetteh so treffend formulierte, einem im Centre mit einem Lächeln begegnen! Besonders nach nun fast vier Monaten in Arbeit, werden auch für uns manche Veränderungen sichtbar.
Ich freue mich darauf, diese weiterhin beobachten zu können!