„From a distance…“

So tief wir bisher in unserer Welt voller ROHC-Angelegenheiten und schwarzen Gesichtern überall um uns herum versunken waren, umso deutlicher nahm ich während unseres Zwischenseminars in Kumasi den Unterschied und die Entfernung war. Dieses Seminar ist ebenso wie die Vorbereitungsseminare eine Vorgabe des Bundes, der jeden weltwärts-Freiwilligen unterstützt. Wir brachen also erstmals zu einer Reise durch Ghana auf, um an einem sehr abgelegenen Fleckchen in Kumasi 28 andere deutsche Freiwillige aus unterschiedlichsten Teilen Ghanas zu treffen.


unser Blick auf das entfernte Kumasi (links) und unsere luxeriösen Unterkünfte umgeben von teilweise frischem Grün trotz der aktuell noch andauernden Trockenzeit

 

alles Andere als gefräßiges Schweigen!

Obwohl mir zu Beginn unsere Gruppe aus dem Vorbereitungsseminar fehlte, fühlte ich mich in dieser großen Gruppe sehr schnell unglaublich wohl: man musste nie lange nach einem Gesprächsthema suchen, man konnte den ganzen Tag lang deutsch sprechen und besonders die eigenen Erfahrungen zu teilen und die anderer er hören war großartig! Überall ergaben sich wunderbare und auch tiefgründige Gespräche, sei es bei einer der Mahlzeiten, in den kurzen Pausen zwischendurch oder einfach bei der abendlichen Werwolf-Runde (auch mal schön ohne Leute zu spielen, die mich von vorne rein verdächtigen, egal was ich tue…)

wenn das schwarz-bunte Gewusel einem weiß-buntem weicht…

In den „Arbeitseinheiten“ mit den Teamern setzten unterhielten wir uns unter anderem über unsere Konflikte mit der ghanaischen Kultur und wie wir respektvoll damit umgehen, über Rassismus und unsere persönlichen Erfahrungen in den ersten Monaten sowie den Plänen für die kommenden. Doch wir hatten auch die Möglichkeit, erprobte Reiseziele oder Buchtipps auszutauschen.

Das Highlight des Kindes in mir war natürlich der Ausflug zum Lake Bosomtwe, einem natürlichen See nahe Kumasi (das erste Mal wieder richtig schwimmen!!!). Obwohl da natürlich auch wieder Heimweh aufkommt…

Ich hatte jedoch auch die Zeit, das erste Mal seit langem wieder so in einem Buch zu schmökern, wie es sich gehört! Für uns viere ergab sich darüber hinaus dankenswerterweise auch die Möglichkeit, ausführlich über unser Projekt zu sprechen und ganz gezielt zu überlegen, wo und wie wir uns in den nächsten Monaten noch einbringen können. Dabei hat uns eine Teamerin, die selbst aus Ghana kommt, jedoch einige Jahre in Freiburg gelebt hat, entscheidend unterstützt. Sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen und hat uns mit vielen guten und lieben Worten den Rücken gestärkt und Kraft mit auf den Weg gegeben. Nun muss sich nur noch in der Praxis beziehungsweise im Arbeitsalltag zeigen, ob wir unsere Pläne auch umsetzen können…

In diesem Mikrokosmos voller Geborgenheit und gegenseitiger Unterstützung bekam ich viele neue Gedankenanstöße und hörte vieles über die ghanaische Kultur, was mir weder in Ashaiman noch in Ayikuma je begegnet ist. Die Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden beziehungsweise den Städten und dem Land sind deutlich sichtbar und ich hoffe, dass ich an dieser Stelle später von einigen dieser für mich unglaublichen Erzählungen berichten kann!
Es war in jedem Fall gut, für eine gewisse Zeit etwas Abstand zu gewinnen und all diese beeindruckenden Menschen mit ihren vielen Geschichten zu treffen, war mehr als bereichernd! Ich kann nur hoffen, dass ich den ein oder anderen noch einmal wieder sehe – hier oder in Deutschland.

 

Nach dem Seminar verbrachten wir noch ein Wochenende zu viert in Kumasi.
Während man in Accra viele besondere Plätze der demokratischen Seite Ghanas findet, so umfängt einen Kumasi an allen möglichen Orten mit der Kultur der Ashanti, der Königsfamilie unter den ghanaischen Stämmen. Überall findet sich der Name des ein oder anderen Königs und die Symbole der Ashanti erscheinen überall – von Hauswänden über Denkmäler bis hin zu Schlüsselanhängern in einem Souvenir-Laden.

 

Besonders genossen habe ich unser Frühstück an diesem Stand mitten auf der Straße und unseren Besuch auf dem großen Markt von Kumasi. Wie auch in Ashaiman, wusste ich gar nicht so recht, ob ich lieber hin und wieder auf den Boden schauen sollte, um nicht zu stolpern oder ob ich nicht doch lieber so viel wie möglich aufzunehmen versuche. Das Gefühl in diesem Gedränge aus Menschen, Ständen und Waren mit zu schwimmen, während man schon wieder vergessen hat, was man ursprünglich mal besorgen wollte, ist von Deutschland aus kaum nachzuvollziehen, da es bestimmt irgendeine Regelung gibt, die derart eng stehende und voll beladene Marktstände verbietet!

Doch während dieses Wochenendes hat mir Ashaiman doch auch gefehlt!
Es ist noch bunter und wie Merit so passend beschrieben hat: voller! Während wir in Kumasi eine große Straße mit relativ geregeltem Verkehr überqueren konnten und abends sogar leere Straßenzüge vorfanden, wurde mir bewusst, dass ich mich in Ashaiman wohl und inzwischen auch Zuhause fühle. Es war richtig schön, bei unserer Rückkehr wieder die wenigen hohen Häuser, die zahllosen Häuser und auch die überall aufgehäuften Autoreifen zu sehen! Auch das ist mir also „aus der Distanz heraus“ klar geworden.

Die Erzählungen der anderen, die Zeit in Kumasi und auch solche Bilder aus dem Busfenster machen eindeutig Lust auf mehr! Die Neugierde ist da – bleibt nur die Frage, ob ich mich traue, mich lange genug von den Kindern und der Arbeit zu trennen…
Hoffentlich werde ich hier bis August noch mehr derartige bzw. schönere Bilder veröffentlichen können.