Lachen oder Weinen? Beides!!!

Getreu dieses Mottos hat sich in der letzten Woche so einiges ereignet!

Nach einem gemeinsamen Frühstück am vergangenen Dienstag, gab es auf einmal einen lauten Knall und nach einem kurzem Schlag auf meinen Kopf konnte ich nur noch zur Seite ausweichen, von Sabrina geknuddelt werden… und irgendwann ihr T-Shirt verfärben. Unser heißgeliebter Ventilator war von der Decke gefallen! Merit war glücklicherweise nicht im Raum und Sabrina außer Reichweite. Doch auch ich war glücklich davon gekommen, denn ich hatte genau darunter gesessen, sodass die Kopfwunde uns vor allem erschreckte, im Krankenhaus jedoch einfach behandelt werden konnte.
Nachdem die ersten Tränen also getrocknet waren, unterhielten wir zumindest einen Teil des Krankenhauspersonals und einige Patienten durch unsere Anwesenheit. Wenn wir unsere Geschichte erzählten, wurden die Augen immer noch ein Stückchen größer und während wir uns den Satz „Mir ist ein Ventilator auf den Kopf gefallen!“ auf der Zunge zergehen ließen, konnten wir uns vor Lachen nur schwer beherrschen.

In diesem Fall war Lachen also wieder einmal viel besser als trist Löcher in die Luft zu starren oder das Schicksal zu verfluchen! Am Ende wurde mir sogar die heldenhafte Absicht unterstellt, andere nur beschützt haben zu wollen…
In jedem Fall habe ich an dem Tag das Arbeitsleben wieder ein wenig auf den Kopf gestellt, da viele meiner lieben Kollegen mich unbedingt besuchen wollten, während wir auf die Ärzte warteten. Der anschießende Rücktransport war ghanaisch-genial:
mit 7 Leuten im 5-Sitzer der Organisation, dem die gute Laune und das Gelächter der Insassen eine ganz neue Ausstrahlung verlieh!

 

Doch da sich parallel zu diesem Erlebnis, gesundheitstechnisch nicht viel veränderte, habe ich schließlich entschieden, dass ich vor Ort nicht mehr „von Nutzen“ war, und habe somit mein FSJ frühzeitig abgebrochen. Es tut mir Leid, dass ich die Organisation vor Ort nicht länger unterstützen kann und Euch hier nicht vom ghanaischen Osterfest werde berichten können!

Der Abschied kam schneller, als von irgendjemandem erwartet, da ich erst am Tag vorher über meinen abendlichen Flug informiert wurde. Trotz allem, schafften es meine lieben Kollegen noch, mit mir ins WEM und FCP zu fahren, sodass ich mich von den Kindern verabschieden konnte und ihnen hoch und heilig versprach, dass ich wieder kommen würde. Und dieser Wunsch wurde durch den plötzlichen Aufbruch nur stärker!

Abschied vom FCP und den neuen Beneficiaries

Abschied vom WEM… und „meiner“ class four

Sogar bis zum Flughafen begleiteten mich meine 3 Mädels, Alina, eine Ehemalige, die derzeit zu Besuch ist, sowie fünf andere Mitarbeiter. In diesem Moment war es natürlich nicht so einfach, die Tränen und die traurigen Gedanken zu verbannen, doch da sie nun einmal sind, wie sie sind, brachten sie mich auch in den letzten Momenten vor dem Aufbruch noch zum Lachen.
Ich bin ihnen allen unglaublich dankbar: für die Zeit; für das, was sie mir mit auf den Weg gaben; für die letzten Minuten vor dem Abflug und natürlich dafür, dass ich sie alle in mein Herz schließen konnte! Man sagte mir, ich sei immer willkommen – und ich werde darauf zurückkommen…

 

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Health first

Ich wünschte wirklich, dass ich dieser Tage wieder von den Kindern oder allgemein von Geschehnissen aus dem Projekt und Ghana berichten könnte. Anlass bestünde zweifelsohne: die Kinder entwickeln sich, lernen dazu und bekommen doch immer wieder dieselben Ermahnungen; vor Kurzem machten die FCP-Kinder einen Ausflug in einen Naturpark in der Nähe; und alle Ghanaer feierten diese Woche, dass ihre Unabhängigkeit nun schon 60 Jahre andauert.

Doch zu all dem kann ich leider nicht viel sagen, ich habe nämlich die letzten Wochen erneut mit einer Krankschreibung im Volu-Hau verbracht. Verzeiht mir daher bitte, dass mich meine Gedanken in diesem Beitrag in eine andere Richtung führen.

In Deutschland bin ich natürlich auch hin und wieder mit dem Gesundheitssystem, den „deutschen Methoden“ und Krankheiten in Berührung gekommen. Ob ich meiner Schwester beim Lernen „Zuhören“ durfte, in der DLRG Erste-Hilfe-technisch gebildet wurde oder selbst krank war – ich gewöhnte mich an die Denkmuster und Vorgänge und habe die daraus entstandene Erwartungshaltung natürlich auch mit nach Ghana genommen.

Als ich dann in September hier erstmals zum Arzt geschickt wurde, fielen mir schnell einige Unterschiede auf. Der erste liegt auf der Hand: da unsere Auslands-Krankenversicherung uns die Kosten im Nachhinein erstattet, erfahre ich hier erstmals, was man so für Arztbesuche bezahlt, wenn man nicht (wie ich in Deutschland und der Großteil der Ghanaer hier) eine Versichertenkarte vorzeigen kann. (Die Krankenversicherung ist übrigens ein Punkt, auf den bei ROHC besonders geachtet wird und der Grund dafür, warum die Erzieher oftmals den Eltern hinterherrennen und an die Verlängerung derselben erinnern müssen!)
Ein weiterer Unterschied ist ebenfalls nicht weiter verwunderlich: bei meinem Blutbild wurde automatisch auch getestet, ob ich Malaria habe, da die Mücken hier sehr verbreitet sind. Allgemein wird Malaria hier so routiniert gehandhabt wie eine normale Grippe bei uns und ist lange kein Grund zur Aufregung – die einzigen, die sich aufregen, sind die Verwandten in Deutschland, da die Krankheit bei uns so verteufelt wird.
Außerdem hatte ich das Gefühl, dass mehr auf die Laborergebnisse als auf eine genaue Untersuchung des Patienten gesetzt wurde, was an der schlichten Masse der zu behandelnden Personen in der Praxis, wo ich war, liegen könnte. Einige grundlegende Untersuchungen wurden natürlich gemacht – sonst hätte ich ja schließlich den Spaß ob der Auswirkungen meiner Blutdruckwerte auf das medizinische Personal missen müssen! 😉

Ein weiterer Punkt wurde mir erst vor kurzem bewusst: dieses Mal habe ich die deutsche Botschaftsärztin aufgesucht und als Merit und ich die Räume betraten, sagten wir nur wie aus einem Munde: „Boah, et riecht nach ner deutschen Praxis!“ Das ist an und für sich natürlich Quatsch – es roch schlicht und ergreifend nach Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, doch in den Praxen, in denen ich im Vorfeld hier gewesen bin, war der Geruch nicht so hervorstechend. Besonders in dem Krankenhaus, in dem ich zum Jahreswechsel untergebracht war, herrschte eine andere Geruchskulisse! Natürlich wurde auch dort geputzt und das Personal arbeitete mit Handschuhen und Desinfektionsmitteln, doch da ich die Nacht in einem Saal in der Notaufnahme mit 17 anderen Patienten verbrachte, konnten sich diese Gerüche leider nicht durchsetzen. An diesem Tag war ich einfach zu kurzfristig gekommen und stand als „Notfall“ unter zu genauer Beobachtung, als dass ich in einem anderen Raum (mit weniger Menschen) untergebracht worden wäre (denn solche gibt es dort natürlich auch).
Wenn ich nicht zu froh wäre, diesen Aufenthalt in der Notaufnahme als meinen ersten bezeichnen zu können, würde ich ihn gerne mit einem in Deutschland vergleichen!

Ein letzter Punkt, der uns hier immer wieder auffällt, sind ganz andere Ansätze in der Ersten Hilfe. Grundsätzlich scheinen zumindest die ghanaischen Mitarbeiter, die ich bei ROHC erlebe, nicht sehr oft zum Arzt zu gehen. Sie arbeiten noch sehr lange sehr hart, weswegen ich hier im Volu-Haus oft ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich krankgeschrieben werde und zu Hause bleibe. Sie nutzen in solchen Zeiten oftmals lieber „natürliche“ Medizin, als Mittel aus der Apotheke. Dass diese oftmals gut wirken, macht das Ganze aus naturwissenschaftlicher Sicht natürlich nur interessanter. Auch in Fällen, in denen sie das genaue Gegenteil von dem tuen, was mir in den Sinn käme (beispielsweise zu wärmen anstatt zu kühlen) und es ihnen danach besser zu gehen scheint, frage ich mich, wie stark der Einfluss der Psyche bzw. der Erwartungshaltung auf den Heilungsprozess sein kann – und das natürlich in beiden Ländern.
Wie gesagt, ich bin interessenstechnisch wohl schon „vorgeschädigt“ und suche nach wie vor nach anderen FSJ-lern im Ausland, die eine Naturwissenschaft und nicht irgendetwas Soziales oder Entwicklungspolitisches studieren wollen…

 

In diesem Sinne, liebe Grüße aus dem Volu-Haus – wer immer den Ausdruck „krank feiern“ erfunden hat, sei mit meinem irritierten Blick gestraft!

 

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Nicht nur Kleider machen Leute

Während es mir bei so manchem Fest in Deutschland wirklich schon leid tat, es missen zu müssen, kann ich ganz gut damit leben, dieses Jahr die… wunderbaren Karnevalslieder nicht hoch und runter hören zu müssen! Hier in Ghana habe ich nämlich in en letzten Tagen keine jecken Aktivitäten beobachten können. Die gab es in Form von so manchen schrillen Aufzügen und Gruppen junger Leute, die durch die Straßen liefen, höchstens „zwischen den Jahren“.
Doch im WEM haben sich die Kinder vergangene Woche in Schale geschmissen:

„Was möchtest du einmal werden?“
Diese Frage beschäftigt nicht nur Sabrina, Merit und mich bei den Vorbereitungen unserer Zeit nach dem FSJ. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich diese Frage in meiner Kindheit beantworten sollte und keine Antwort wusste. Hier ist sie mir nun auch wieder im Alltag begegnet – doch dieses Mal durfte ich sie stellen!

Am vergangenen Freitag, hatten die Kinder in der Schule nämlich einen Schultag der besonderen Art: jeder sollte anstelle seiner Schuluniform die Kleider tragen, die man in seinem Traumberuf auch tragen könnte und anstatt von Unterricht durften sich die Kinder selbst beschäftigen und spielen. In Deutschland würde man an einem solchen Tag vermutlich einige Feuerwehrleute, Polizisten und natürlich Prinzessinnen finden.
Hier in Ayikuma sah das Bild ein wenig anders aus: Bei den Jungs gab es natürlich ganz viele Fußballspieler – ist ja auch klar, wenn man schon immer mit allem möglichen und zu allen Gelegenheiten Fußball gespielt hat! Doch es gab auch ein paar ausgefallenere Wünsche:
wir hatten einen Handwerker, einen Farmer und einen Tänzer. Die Mädels waren zum Teil wirklich schick, denn bei ihnen gab es einige „Business-Women“ (wieder ein Wort, das auf Englisch viel aufregender klingt, als im deutschen). Auch Mabel mit dem Maßband einer Schneiderin und Sarah, die singend das Haus verlassen hat, um zu unterstreichen, dass sie Sängerin werden könnte, hatten ihren Spaß. Diese bunte Runde war eine schöne Abwechslung zu dem üblichen gelben Gewusel am Essenstisch!

„sewer“ Mabel

 

Schon in dem Wunsch Mabels zeigen sich einige Unterschiede zwischen Ghana und Deutschland: da hier viele Leute Kleider aus den traditionellen Stoffen tragen, die nach Maß geschneidert werden, gibt es unglaublich viele Schneidereien. In Deutschland ist vielleicht eine Änderungsschneiderei noch bekannt, doch ich kenne nur wenige Kinder, die daraus den Wunsch ableiten könnten, selbst Schneiderin zu werden.

 

Ein weiterer Berufswunsch weist jedoch auf einen Unterschied hin, mit dem nicht nur wir vier, sondern auch viele andere Freiwillige in Ghana (wie wir unter anderem während des Zwischenseminars erfahren haben) zu kämfen haben.
Drei Kinder gingen am Freitag als Lehrer zur Schule. Das bedeutete einerseits, dass sie ihre Sonntagskleider gewaschen und gebügelt haben. Doch das war fast schon nebensächlich. Als einer der Erzieher die Kinder nämlich nach ihren Wünschen fragte und die Antwort „Lehrer“ bekam, war seine selbstverständliche Antwort und erste ungerührte Reaktion nur: „OK, we will give you cane.“ Ein cane, das ist ein etwa stiftdicker Stab, mit dem die Kinder unter anderem in der Schule geschlagen werden, wenn sie sich nicht benehmen.

Dass die Kinder geschlagen werden gilt in den meisten Teilen Ghanas immer noch als gute und notwendige Erziehungsmethode. Obwohl es von der Regierung eigentlich verboten wurde, die Kinder damit zu schlagen (und Ghana auch die UN-Kinderrechts-Konvention unterzeichnet hat), nutzen viele Eltern den cane im eigenen Haus und fordern auch die Lehrer in den Schulen weiterhin dazu auf. Das Bild des Lehrers als wichtige Bezugsperson der Kinder ist also, wie die Reaktion unseres Erziehers beweist, nach wie vor eines mit cane.
Unsere Schulkinder haben schon häufig darüber geklagt, dass sie in der Schule geschlagen werden. Zum Teil haben sie von den Schlägen auch schon blutende Wunden davon getragen und Narben zurück behalten. Doch wenn man sie fragt, können sie sich meistens gar keine andere Maßnahme vorstellen. Auch die Freiwilligen, die wir beim Seminar getroffen haben und die teilweise in Schulen arbeiten, erzählten uns viel von den Schlägen und auch wie sehr sie selbst darunter leiden, nichts tun zu können, da es kulturelle Hintergründe hat und die Autorität des Lehrers untergraben würde.
Doch auch das ist im Wandel. Es gibt immer mehr Eltern, die Lehrer der Schläge wegen vor Gericht gebracht haben und (natürlich) gewonnen haben. Manche Eltern haben sich auch im eigenen Haushalt schon von dieser Erziehungsmethode  verabschiedet und in Nicht-Regierungs-Organisation wie ROHC ist es ohnehin verboten. Wir haben während des Seminars mit einer Ghanaerin gesprochen, die sagte, manche Menschen könnten den Blick einfach kaum von den alten Traditionen lösen.
Auch in der deutschen Geschichte bzw. erzieherischen Tradition muss man gar nicht so weit zurückgehen, um diese Erziehungsmethode legitimiert zu finden. Und bevor man auf den Gedanken kommt, Deutschland als fortschrittlich und weiter entwickelt zu preisen, sollte man sich nochmals die viele Missbrauchsvorwürfe der letzten Jahre ins Gedächtnis rufen. Derartige Gewalttaten sind mir hier in Ghana noch nicht zu Gehör gekommen und auch das Selbstverständnis der Erzieher im Umgang mit dem anderen Geschlecht ist ein ganz anderes.

Auf die Kinder hier bzw. unsere kurzzeitigen Lehrer übt der cane jedenfalls nach wie vor eine Faszination aus, die für mich nicht nachzuvollziehen und nur schwer mit anzusehen ist. Doch um der Kinder willen, setze ich auf den Umschwung hin zu weniger körperlichen Erziehungsmethoden!


–  „Lehrerin“ mit einem cane
und noch ein Fußballer

Hoffentlich habt Ihr Euch von dieser weniger schönen Episode über die ghanaische Kultur nicht abschrecken lassen. Es ist nun einmal ein ganz anderes Land, ja ein ganz anderer Kontinent mit ganz anderen Traditionen und historischen Erfahrungswerten.

 

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„From a distance…“

So tief wir bisher in unserer Welt voller ROHC-Angelegenheiten und schwarzen Gesichtern überall um uns herum versunken waren, umso deutlicher nahm ich während unseres Zwischenseminars in Kumasi den Unterschied und die Entfernung war. Dieses Seminar ist ebenso wie die Vorbereitungsseminare eine Vorgabe des Bundes, der jeden weltwärts-Freiwilligen unterstützt. Wir brachen also erstmals zu einer Reise durch Ghana auf, um an einem sehr abgelegenen Fleckchen in Kumasi 28 andere deutsche Freiwillige aus unterschiedlichsten Teilen Ghanas zu treffen.


unser Blick auf das entfernte Kumasi (links) und unsere luxeriösen Unterkünfte umgeben von teilweise frischem Grün trotz der aktuell noch andauernden Trockenzeit

 

alles Andere als gefräßiges Schweigen!

Obwohl mir zu Beginn unsere Gruppe aus dem Vorbereitungsseminar fehlte, fühlte ich mich in dieser großen Gruppe sehr schnell unglaublich wohl: man musste nie lange nach einem Gesprächsthema suchen, man konnte den ganzen Tag lang deutsch sprechen und besonders die eigenen Erfahrungen zu teilen und die anderer er hören war großartig! Überall ergaben sich wunderbare und auch tiefgründige Gespräche, sei es bei einer der Mahlzeiten, in den kurzen Pausen zwischendurch oder einfach bei der abendlichen Werwolf-Runde (auch mal schön ohne Leute zu spielen, die mich von vorne rein verdächtigen, egal was ich tue…)

wenn das schwarz-bunte Gewusel einem weiß-buntem weicht…

In den „Arbeitseinheiten“ mit den Teamern setzten unterhielten wir uns unter anderem über unsere Konflikte mit der ghanaischen Kultur und wie wir respektvoll damit umgehen, über Rassismus und unsere persönlichen Erfahrungen in den ersten Monaten sowie den Plänen für die kommenden. Doch wir hatten auch die Möglichkeit, erprobte Reiseziele oder Buchtipps auszutauschen.

Das Highlight des Kindes in mir war natürlich der Ausflug zum Lake Bosomtwe, einem natürlichen See nahe Kumasi (das erste Mal wieder richtig schwimmen!!!). Obwohl da natürlich auch wieder Heimweh aufkommt…

Ich hatte jedoch auch die Zeit, das erste Mal seit langem wieder so in einem Buch zu schmökern, wie es sich gehört! Für uns viere ergab sich darüber hinaus dankenswerterweise auch die Möglichkeit, ausführlich über unser Projekt zu sprechen und ganz gezielt zu überlegen, wo und wie wir uns in den nächsten Monaten noch einbringen können. Dabei hat uns eine Teamerin, die selbst aus Ghana kommt, jedoch einige Jahre in Freiburg gelebt hat, entscheidend unterstützt. Sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen und hat uns mit vielen guten und lieben Worten den Rücken gestärkt und Kraft mit auf den Weg gegeben. Nun muss sich nur noch in der Praxis beziehungsweise im Arbeitsalltag zeigen, ob wir unsere Pläne auch umsetzen können…

In diesem Mikrokosmos voller Geborgenheit und gegenseitiger Unterstützung bekam ich viele neue Gedankenanstöße und hörte vieles über die ghanaische Kultur, was mir weder in Ashaiman noch in Ayikuma je begegnet ist. Die Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden beziehungsweise den Städten und dem Land sind deutlich sichtbar und ich hoffe, dass ich an dieser Stelle später von einigen dieser für mich unglaublichen Erzählungen berichten kann!
Es war in jedem Fall gut, für eine gewisse Zeit etwas Abstand zu gewinnen und all diese beeindruckenden Menschen mit ihren vielen Geschichten zu treffen, war mehr als bereichernd! Ich kann nur hoffen, dass ich den ein oder anderen noch einmal wieder sehe – hier oder in Deutschland.

 

Nach dem Seminar verbrachten wir noch ein Wochenende zu viert in Kumasi.
Während man in Accra viele besondere Plätze der demokratischen Seite Ghanas findet, so umfängt einen Kumasi an allen möglichen Orten mit der Kultur der Ashanti, der Königsfamilie unter den ghanaischen Stämmen. Überall findet sich der Name des ein oder anderen Königs und die Symbole der Ashanti erscheinen überall – von Hauswänden über Denkmäler bis hin zu Schlüsselanhängern in einem Souvenir-Laden.

 

Besonders genossen habe ich unser Frühstück an diesem Stand mitten auf der Straße und unseren Besuch auf dem großen Markt von Kumasi. Wie auch in Ashaiman, wusste ich gar nicht so recht, ob ich lieber hin und wieder auf den Boden schauen sollte, um nicht zu stolpern oder ob ich nicht doch lieber so viel wie möglich aufzunehmen versuche. Das Gefühl in diesem Gedränge aus Menschen, Ständen und Waren mit zu schwimmen, während man schon wieder vergessen hat, was man ursprünglich mal besorgen wollte, ist von Deutschland aus kaum nachzuvollziehen, da es bestimmt irgendeine Regelung gibt, die derart eng stehende und voll beladene Marktstände verbietet!

Doch während dieses Wochenendes hat mir Ashaiman doch auch gefehlt!
Es ist noch bunter und wie Merit so passend beschrieben hat: voller! Während wir in Kumasi eine große Straße mit relativ geregeltem Verkehr überqueren konnten und abends sogar leere Straßenzüge vorfanden, wurde mir bewusst, dass ich mich in Ashaiman wohl und inzwischen auch Zuhause fühle. Es war richtig schön, bei unserer Rückkehr wieder die wenigen hohen Häuser, die zahllosen Häuser und auch die überall aufgehäuften Autoreifen zu sehen! Auch das ist mir also „aus der Distanz heraus“ klar geworden.

Die Erzählungen der anderen, die Zeit in Kumasi und auch solche Bilder aus dem Busfenster machen eindeutig Lust auf mehr! Die Neugierde ist da – bleibt nur die Frage, ob ich mich traue, mich lange genug von den Kindern und der Arbeit zu trennen…
Hoffentlich werde ich hier bis August noch mehr derartige bzw. schönere Bilder veröffentlichen können.

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„Der Fußball ist einer der am weitesten verbreiteten religiösen Aberglauben unserer Zeit.“ (Umberto Eco)

Wie bereits erwähnt, sind die Ghanaer unglaublich fußballverrückt! Das beginnt damit, dass die kleinen Jungs in den Straßen zu jeder Zeit und mit allem möglichen Fußball spielen und endet damit, dass man aus der Geräuschkulisse in der Nachbarschaft schließen kann, wie es bei einem Länderspiel steht.

FCP-Beneficiaries mit Bro. Ibrahim und DEM BALL !!!

Im FCP habe ich vom ersten Tag an die Frage nach dem „ball, ball!!!“ gehört und es ist immer eine große Freude, Jungs und Mädels gleichermaßen begeistert auf der obersten Etage im FCP dem Ball hinterherrennen zu sehen. Ich muss hier natürlich anmerken, dass sich die Jungs kaum von denen in Deutschland unterscheiden: sie trauen den Mädchen nichts zu und können es natürlich immer besser – ich habe immer besonderen Spaß, wenn sie dann beim Elfmeterschießen gegen die Mädchen verlieren!

Was aber mindestens genauso schön mitanzusehen ist, ist die Begeisterung der ehemaligen Beneficiaries und heutigen Mitarbeiter, wenn sie mit den Kindern herumtoben oder auch bei dem Weihnachts-Match ihr fußballerisches Können wieder hervorholen konnten! Da sieht man wieder, dass in jedem noch ein Kind steckt, man braucht nur die richtige Situation, um es wieder hervor zu holen 😀

Von meinem prägendsten Fußball-Erlebnis im WEM habe ich hier bereits berichtet, doch was ich mit der Zeit vor allem beobachten konnte, ist, dass der Fußball etwas in den Kindern löst!

die WEM-Fußballer in ihrer Welt

Egal ob es ums selber spielen oder (in Ausnahmefällen) gemeinsam ansehen geht: dann kommt auch unser schüchternster und kleinster Junge aus sich heraus und wird so emotional wie sonst nie. Dem entsprechend laut sind dann natürlich auch alle übrigen Jungs, die sonst auch schon kein Blatt vor den Mund nehmen! Dem Fußball gilt Freitags- und Samstagsnachmittags all ihre Aufmerksamkeit, vielleicht auch weil er im geschäftigen WEM-Alltag eine der wenigen wirklichen Freizeitaktivitäten ist.
Die Mädels sind auch immer interessiert, doch auf eine dezentere oder zurückhaltendere Weise. Doch bei allen kann man an diesem Punkt eines nicht mehr verhindern: dass sie komplett vergessen, dass es neben Twi auch noch eine andere Sprache gibt! Somit kann ich leider nie wirklich verstehen, was sie sich oder den professionellen Fußballern zurufen, doch ihr sonstiges Verhalten spricht meistens für sich! Das bloße Beobachten dieser „Verwandlung“ erfüllt mich immer wieder mit Freude! Auch wenn es bedeutet, dass sämtliche anderen Aktivitäten zu dieser Zeit entweder unmöglich oder nur sehr schwer umsetzbar sind…

Zurzeit steigert sich die Begeisterung noch mehr, da der Africa-Cup (vergleichbar mit der EM) wieder stattfindet und Ghana sich für das Viertelfinale qualifiziert hat! Am Mittwochabend stand das letzte Gruppenspiel an, in dem Ghana gegen Ägypten leider 0:1 verlor. An diesem Tag lief im WEM alles auffällig reibungslos ab, damit um 19 Uhr auch alles bereit war, um das Spiel sehen zu können! Ich kenne zwar auch in Deutschland einige Personen, die beim Fußball-Gucken vor Emotionen sprühen, doch hier traf das auf alle Jungs und Mitarbeiter zu, die in unserem Essensraum mit den Augen am Fernseher klebten! Ascona rief immer wieder „Is it gooooaaaal?!“ (einer der wenigen Sätze, die ich verstehen konnte!) und auch die Jungs sprangen auf, wussten es besser als die Spieler und nahmen kaum wahr, was im Raum sonst noch vor sich ging. Einer der Jungs, der mir eigentlich etwas mitteilen wollte, tippte mir bestimmt 20 Sekunden lang auf die Schulter, bis die spannende Spielsituation vorbei und er es schafft, mir das Gesicht zuzuwenden. Trotz der Niederlage war es also für mich ein äußerst amüsanter Abend! Wie man nicht nur am Eiserbachsee lernt, sind „Menschenstudien“ etwas ganz tolles…

Morgen (Sonntag-) Abend werden wir vier gemeinsam mit einigen Mitarbeitern Ghanas Viertelfinalspiel gegen die Demokratische Republik („doctor“) Kongo anschauen. Darauf freue mich schon sehr und drücke Ghana natürlich die Daumen!

 

Sonntag, 29.01.2017 19:00
Kleiner Nachtrag: Ghana hat die/ den DR Kongo mit 2:1 besiegt und bekommt es am kommenden Donnerstag im Halbfinale des Africa Cups mit Kamerun zu tun.
Dann können wir vier berits aus Kumasi mitfiebern, der Stadt, in der wir unser einwöchiges Zwischenseminar haben werden. Man kann auf die Ergebnisse beider Ereignisse gespannt sein…

 

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